Tierarzt Dr. Budde Witten

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Kastration oder Sterilisation?

Bei einer „Sterilisation“ dagegen werden Eileiter bzw. Samenleiter durch einen operativen Eingriff durchtrennt. So wird eine Unfruchtbarkeit erzielt, die Geschlechtsfunktion jedoch nicht beeinträchtigt. Aus diesem Grund ist in der Regel eine Kastration zu bevorzugen.

Gründe für eine Kastration und günstigster Zeitpunkt für den Eingriff

Bei Rüden
• Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung
• Erkrankungen von Hoden- und Nebenhoden, die medikamentös nicht zu behandeln sind
• Hormonell bedingte Erkrankungen und daraus entstehende Krankheitsbilder
• Veränderungen des Hodensacks, die ein chirurgisches Vorgehen erfordern
• Unerwünschte Verhaltensweisen (Hypersexualität, Markieren, hormonell bedingte und ausgeprägte Aggressivität/ Dominanz)

Mit zunehmendem Alter des Rüden verringert sich der Effekt einer Kastration bezüglich des Verhaltens.
Mit Hilfe eines Langzeithormons, welches in Form eines Chip unter die Haut implantiert wird, lässt sich der Erfolg einer Kastration vor der endgültigen Entscheidung „testen“.
Entscheiden Sie sich für einen Eingriff, werden dann die Keimdrüsen (Hoden und Nebenhoden) operativ entfernt.

Die Durchführung einer Kastration bei Rüden ist grundsätzlich altersunabhängig, sollte jedoch frühestens nach Eintritt der Geschlechtsreife durchgeführt werden. Bei extrem frühreifen Rüden kann der Eingriff im Einzelfall auch schon vor dem Zeitpunkt der Geschlechtsreife erfolgen.

In seltenen Fällen treten in Folge der Kastration insbesondere bei langhaarigen Hunden Fellveränderungen auf.

Bei Hündinnen
• Unterbinden des Geschlechtstriebs und Zyklus (keine Attraktivität mehr für Rüden)
• Regelmäßiges Auftreten einer Scheinschwangerschaft
• Zyklusprobleme (z.B. starke Blutungen)
• Vorbeugen von Gesäugetumoren (vor der 2. Läufigkeit, danach kein Effekt mehr)
• Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung

Entscheiden Sie sich für einen Eingriff, werden die Eierstöcke entfernt. Liegen Veränderungen an der Gebärmutter vor, wird diese ebenfalls entfernt.

Der beste Zeitpunkt einer Kastration bei Hündinnen ist ca. 2-3 Monate nach der letzten Läufigkeit. Generell ist aber auch vor der ersten Läufigkeit eine Kastration möglich. Ihre Hündin muss dementsprechend nicht schon einmal läufig gewesen sein oder geworfen haben. In unserer Praxis befürworten wir eine frühe Kastration, entscheiden jedoch individuell je nach Rasse und Entwicklungsstand des Patienten. Ängstliche Hündinnen können beispielsweise von der 1. Läufigkeit profitieren, indem sie danach selbstbewusster und wesensfester sind.

Auch bei Hündinnen können unangenehme Begleiterscheinungen auftreten: Harninkontinenz kann unmittelbar nach dem Eingriff auftreten, aber auch erst zehn Jahre danach. Eine solche Inkontinenz äußert sich vom Verlust weniger Tröpfchen (vor allem nachts) bis hin zu dauerhaftem Harnträufeln. Zumeist sind solche Symptome gut mit Medikamenten zu behandeln – in letzter Konsequenz auch durch einen chirurgischen Eingriff. Das Auftreten einer solchen kastrationsbedingten Inkontinenz hängt u.a. mit den anatomische Gegebenheiten des Tiers zusammen: Hündinnen mittelgroßer und großer Rassen sind dabei stärker betroffen als kleine. Betroffen sind meist auch Hündinnen, die bereits vor der Kastration ein erhöhtes Inkontinenz-Risiko hatten.

Selten entwickeln v.a. langhaarige Hunde nach der Kastration durch übermäßiges Wachstum des Wollhaares ein sogenanntes Welpenfell. Bei kurzhaarigen Hunden kann dabei eine Haarlosigkeit in den Flanken auftreten, welche durch Medikamente zu behandeln ist.

Bei Katzen und Katern
• Verhinderung unerwünschter Fortpflanzung
• Harnmarkieren
• Territoriales Verhalten (erhöhte Verletzungs- und damit auch Infektionsgefahr; erhöhtes Risiko für Auto-Unfälle, hoher Stressfaktor)

Entscheiden Sie sich für einen Eingriff, werden auch hier die Eierstöcke bei Ihrer Katze bzw. die Hoden und Nebenhoden bei Ihrem Kater entfernt.

Schon vor dem Eintritt der Geschlechtsreife ist eine Kastration möglich. Weibliche Tiere sollten allerdings nicht während der Rolligkeit kastriert werden, da zu diesem Zeitpunkt vermehrt Komplikationen auftreten können.

Kastration und Übergewicht

Für Hündin, Rüde, Katze und Kater gilt nach der Kastration gleichermaßen: Neben gesteigertem Appetit kommt es auch zu einer anderen Energieverwertung. Daher muss bereits unmittelbar nach dem Eingriff die Fütterung entsprechend angepasst werden, um die Gefahr für Übergewicht und dessen vielfältige Folgen zu reduzieren. Ein kastriertes Tier muss nicht zwangsläufig dick werden!

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