Tierarzt Dr. Kathrin Budde Witten

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MDR1-Defekt beim Hund

Er bewirkt, dass einige Medikamente vermehrt die Blut-Hirn-Schranke passieren und in größeren Mengen das zentrale Nervensystem erreichen. Dadurch kann es zu schweren neurologischen Symptomen bis hin zu Todesfällen kommen. Da der Defekt auch in vielen anderen Organen und Geweben zum Tragen kommt, kann es auch aufgrund einer vermehrten Aufnahme sowie einer verzögerten Ausscheidung pharmakologisch wirksamer Stoffe zu Vergiftungserscheinungen kommen.

Es ist von großer Bedeutung, bei Hunden der betroffenen Rassen und auch deren Mischlingen vor Anwendung der betreffenden Medikamente festzustellen, ob der Hund von diesem Gendefekt betroffen ist. Die Diagnose kann durch eine Blutuntersuchung oder durch einen Abstrich der Backenschleimhaut gestellt werden. Diese Untersuchung ist auch bei Mischlingen sinnvoll, bei welchen die beteiligten Rassen nicht bekannt sind.

Mögliche Ergebnisse der Untersuchung (Genotypen):

  • MDR1 +/+, der Defekt liegt nicht vor
  • MDR1 -/-, der Defekt liegt vor und wird weitervererbt; bestimmte Medikamente dürfen nicht angewendet werden
  • MDR1 +/-, der Hund ist Merkmalsträger und kann den Defekt weitervererben; bei der Anwendung einiger Medikamente kann es zu Anzeichen einer Überempfindlichkeit kommen

Das Wissen um den Genotyp eines Hundes ist auch wichtig für den Einsatz in der Zucht, da durch gezielte Paarungen MDR1 -/- – Nachkommen verhindert werden können.

Betroffene Rassen:

  • Collie (Lang- und Kurzhaar)
  • Australian Shepherd
  • Weißer Schäferhund
  • Bobtail
  • Border Collie
  • Deutscher Schäferhund
  • Bearded Collie
  • Shetland Sheepdog
  • Longhaired Whippet
  • Silken Windhound
  • Mac Nab
  • English Shepherd
  • Wäller
  • Old English Sheepdog

Die Häufigkeit des Auftretens des Gendefekts liegt je nach Rasse bei bis zu 70%.

Zu den kritischen Arzneistoffen zählen u.a. Loperamid (Imodium®) und makrozyklische Laktone (Ivermectin, Doramectin, Selamectin, Moxidectin, Milbemycinoxim). Letztere kommen in vielen Präparaten vor, die zur Behandlung von parasitären Erkrankungen verwendet werden. Für einige Vertreter dieser Gruppe konnte mittlerweile nachgewiesen werden, dass sie mit Sicherheit auch bei MDR1 -/- – Hunden zur Behandlung eingesetzt werden können, sofern die Angaben der Hersteller zur Anwendung (Applikationsart und Dosierung) streng beachtet werden. Dazu zählen Advocate® (Moxidectin), Stronghold® (Selamectin) und Milbemax® (Milbemycinoxim). Gleiches gilt für den Wirkstoff Emodepsid (Profender®).

Daqrüber hinaus gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Wirkstoffe, dei bei betroffenen Hunden gar nicht oder nur nach strenger Indikationsstellung und unter Kontrolle verabreicht werden dürfen (z.B. Antibiotika, Herzmedikamente, Opioide, Säureblocker, Antiemetika, Antimykotika). Eine ausführlichere Übersicht sowie mehr Informationen zu diesem Thema finden sich u.a. unter www.vetmed.uni-giessen.de/pharmtox/mdr1_defekt.php .

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