Tierarzt Dr. Kathrin Budde Witten

Themen

Die Borreliose beim Hund – kontrovers diskutiert, oftmals „überdiagnostiziert“ und doch ein wichtiges Thema

 Ab ca. +7°C ist mit dem Auftreten von Zecken zu rechnen, d.h. die Zeckensaison geht von Februar/März bis Oktober/November.

 Der Erreger der Borreliose ist das Bakterium Borrelia burgdorferi. Es sind zahlreiche unterschiedliche Spezies aus dem B.-burgdorferi-sensu-lato-Komplex bekannt. Zecken insbesondere der Gattung Ixodes übertragen Borrelien auf zahlreiche Säugetiere und Vögel. Die Infektionen kommen beim Hund als sogenannte Lyme-Borreliose vor. Damit einhergehende Symptome sind v.a. (wechselnde) Lahmheiten aufgrund von (Poly-)Arthritis, Fieber, Appetitlosigkeit und Mattigkeit. Wenngleich auch bei Katzen positive Blutuntersuchungen beschrieben sind, so ist über klinisch manifeste Erkrankungen bei dieser Tierart wenig bekannt.

 In Deutschland bzw. Europa ist fast jede 3.Zecke mit Borrelien infiziert. Am häufigsten treten hier die Spezies Borrelia afzelii und B. garinii auf, nur zu etwa 18% kommt B. burgdorferi sensu stricto vor. Während alle drei Spezies nachweislich für den Menschen pathogen sind, ist die Pathogenität für den Hund experimentell ausschliesslich für B. burgdorferi sensu stricto nachgewiesen.

 Infizierte Zecken müssen mindestens 16-24 Stunden saugen, bevor eine Übertragung der Borrelien erfolgen kann. Ein akkurates Absammeln von Zecken unmittelbar nach dem Gassigehen ist daher ein sehr wichtiger Aspekt bei der Prävention der Borreliose.

 Obwohl man davon ausgeht, dass bis zu 20% aller Hunde Kontakt mit Borrelien hatten, treten häufig keine klinischen Symptome auf. Bis zum Auftreten von Krankheitszeichen vergehen zumeist mehrere Wochen.

 Eine klinisch manifeste Borreliose zu diagnostizieren ist nicht einfach. Daher wird diese Erkrankung tendenziell eher „überdiagnostiziert“. Am sichersten ist der direkte Nachweis des Erregers. Dazu werden Proben (z.B. Hautbiopsien, Gelenkflüssigkeit) benötigt. Angesichts des Umstandes, dass Symptome meist erst nach mehreren Wochen auftreten, stellt sich natürlich die Frage, an welcher Stelle man die Proben nimmt. Antikörper im Blut treten für gewöhnlich erst 3-5 Wochen nach der Infektion auf. Ein diesbezüglich positiver Laborbefund besagt allerdings nur, dass der Hund Kontakt mit dem Erreger hatte, aber nicht, ob eine klinisch  manifeste Erkrankung vorliegt. Auch bei gegen Borreliose geimpften Hunden wird man Antikörper im Blut finden. Hier hilft jedoch ein sogenannter Western Blot, zwischen Feldinfektion und Impfung zu differenzieren. Insgesamt lässt sich zur Diagnostik sagen, dass oftmals mehrere unterschiedliche Laboruntersuchungen erforderlich sind, und dass die Laborergebnisse immer in Zusammenhang mit den Symptomen des Hundes zu interpretieren sind. Wir behandeln den Hund, nicht das Laborergebnis!

 Bei Vorliegen einer klinisch manifesten Borreliose erfolgt die Behandlung mit Doxycyclin über mindestens einen Monat. Allerdings ist die Infektion nicht immer dauerhaft zu beseitigen, chronische Verlaufsformen sind möglich.

 Die wichtigste Maßnahme zur Prävention einer Infektion ist die konsequente Zeckenprophylaxe (z.B. durch Spot-on-Präparate, die auf die Haut aufgetragen werden). Der Nutzen der zugelassenen Impfstoffe wird sehr kontrovers diskutiert. So raten z.B. manche deutsche Universitäten dazu, Hunde nicht gegen Borreliose impfen zu lassen. Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKoVet) führt die Borreliose-Impfung als eine sogenannte Non-Core-Impfung an. Das heißt, dass für jeden Hund unter Berücksichtigung der Risikofaktoren abzuwägen ist, ob die Impfung sinnvoll bzw. nötig ist oder nicht. Letztlich ist davon auszugehen, dass die Impfung  in Zusammenhang mit der konsequenten Zeckenprophylaxe das Risiko für eine Erkrankung doch erheblich reduziert.

 Der beste Zeitpunkt für eine Impfung ist vor der Zeckensaison, also in der kalten Jahreszeit, sie kann jedoch jederzeit durchgeführt werden. Hunde können ab einem Alter von 12 Wochen geimpft werden. Einer ersten Auffrischung nach einigen Wochen folgen zwei weitere Auffrischungen nach 4-6 Monaten, dann genügen jährliche Wiederholungsimpfungen. V.a.  bei älteren Hunden sollte vor der Impfung ggf. mit Hilfe einer Blutuntersuchung geklärt werden, ob bereits Kontakt zu relevanten Borrelien stattgefunden hat.

Schlagworte: , ,

Ähnliche Beiträge

2 Kommentare zu "Die Borreliose beim Hund – kontrovers diskutiert, oftmals „überdiagnostiziert“ und doch ein wichtiges Thema"

  1. Avatar
    Christian Jorda
    24. Februar 2012 um 12:11 Uhr

    Sehr geehrter Herr Lux,
    Advantix ist eines von vielen Präparaten, welches zur Zeckenprophylaxe beim Hund geeignet ist. Da allerdings trotz Anwendung dieser Präparate vereinzelt Zecken am behandelten Hund gefunden werden können, bleibt ein gewisses Restrisiko für eine Borrelien-Infektion. Die Borrelien selbst sprechen auf die Zeckenmittel gar nicht an, sondern nur die Zecken! Es geht auch nicht darum, sich zwischen Zeckenprophylaxe und Borreliose-Impfung zu entscheiden. Die Borreliose-Impfung ist kein Ersatz für die Zeckenprophylaxe, zumal Zecken auch andere Krankheiten übertragen können, gegen die es keine Impfung gibt. Zu diesem Thema werden wir in Kürze näher informieren.

  2. Avatar
    Hebert Lux
    24. Februar 2012 um 10:51 Uhr

    Kann man den nicht bei einem Hund Advantix- gegen Zecken verwenden? Habe diese oder Advantage immer verwendet und es gab nie Probleme… Sind diese Borreliose etwa immune gegen solche Mittel oder?

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Dieses Weblog nutzt Gravatare. Besorgen Sie sich ganz einfach einen eigenen Gravatar.